
Heute sprechen wir von Nano-Tubes (Kohle- faser in superleicht) und Makrolon (Kunststoff für Seitenfenster), im Jahr 1967 war Plastik am Auto noch eine echte Sensation. Damals gab es Stoßfänger aus verchromtem Stahl und Dreiecksfenster aus Glas. Für den Chemieriesen Bayer vor 31 Jahren Grund genug, auf der wichtigen Deutschen Industriemesse in Hannover erstmals ein komplettes Auto aus Polyurethan-Werkstoffen zu präsentieren.
Man wollte es den Stahlleuten mal so richtig zeigen. Schließlich hofften die Bayer-Oberen, dass der K67-Prototyp auf BMW 1600ti-Basis die Autobosse dazu bewegen würde, von Metall auf Plastik umzusatteln.
Würden alle Autos künftig mit Kunststoffkarosserie daherkommen, müssten sich die Bayer-Absatz-Märkte – so hoffte man – binnen kurzer Zeit vervielfachen. Na ja, ein Stück weit hat es sogar geklappt. Zwar sind unsere Autokarosserien immer noch aus Stahl oder – seltener – aus Aluminium, aber Stoßfänger, Innenräume, Aerodynamikanbauteile und Scheinwerfer sind bei den meisten Modellen längst aus Makrolon & Co. gefertigt. Nun will Bayer das Kunststoffauto von einst wieder in Erinnerung bringen. Eigens dafür wurde der K67 aus den Katakomben des Leverkusener Werks in die Hallen einer kleinen rheinländischen Oldtimerschmiede geschafft. Wie man hört, sogar auf eigener Achse.
In Niederkrüchten bei Köln soll der Innovationsträger wieder aufgemöbelt werden. Exklusiv durfte DAZ-AUTOMOBILES vorab einen Blick hinter die schweren Eisentore des kleinen Betriebs werfen.
Bayer-Presse-Chef Gerhard Dresen ermahnt uns aber: „Der K67 war einst der Star von Bayer. Also bitte mit Respekt behandeln.“ Machen wir, Ehrensache.
Unser erster Eindruck: Der teilzerlegte K67 sieht aus wie ein kleiner Ferrari. Flache, lange Schnauze, geschwungene Kotflügel und ein kurzes Heck mit aerodynamisch ausgefeilter Abrisskante. In die kreisrunden Luken am Heck passen die Rückleuchten des ersten 1600er BMW.
Wie Audi Ende der 90er Jahre den A2 baute – in Spaceframe-Technik – so ist auch der K67 aufgestellt: Eine Stahlkonstruktion liefert das Gerüst, das mit Kunststoff beplankt wurde. Die selbsttragende, einteilige Sandwich-Bodengruppe besteht aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GfK).
Ein Blick unter die Haube verrät: Dem K67 wurde ein eigenes Typschild des Kraftfahrtbundesamtes verliehen.
Hier steht tatsächlich: Fahrgestellnummer E4/V2, Hersteller Bayer AG. Dieser Prototyp ist kein Blender, sondern ein funktionsfähiger Sportwagen, der etliche Testkilometer auf Landstraßen, Autobahnen und Marterstrecken hinter sich gebracht hat.
So ungewöhnlich wie das Auto sind die Unternehmen, die an der Entwicklung des K67 beteiligt waren: Die Firma Gugelot-Design GmbH in Neu-Ulm, die Wagon- und Maschinenbau AG in Donauwörth und auch BMW.
Die Bayerischen Motoren Werke lieferten das Herzstück des K67: Den munteren Vierzylinder aus dem 1600ti.
Von 1967 bis 1968 wurde der 1600ti 8835-mal gebaut. Seine Stärke waren die beiden 40er Solex-Doppelvergaser, die aus nur 1573 Kubik stolze 105 PS zauberten. Erst im Jahr 1971 kam der legendäre 2002tii mit Kugelfischereinspritzung und 130 PS.
Während die relativ stark zerklüftete “Neue Klasse” von BMW mit 105 PS bereits 175 km/h schaffte, rannte der aerodynamisch optimierte K67 mit identischer Motorisierung über 190 km/h. Bayer erklärte 1967 stolz in seiner Pressemitteilung: „Für Ingenieure, Konstrukteure und Formgestalter bieten sich nun neue und bessere Möglichkeiten, zeitgemäße Fahrzeuge zu schaffen. Sie können ihre Aufmerksamkeit verstärkt auf die notwendige Fahrzeugsicherheit, Verminderung des Luftwiderstandes, Wetter- und Korrosionsschutz, Temperatur- und Schallisolierung und nicht zuletzt auf die schöne Form und die Wirtschaftlichkeit richten.“ Auch nach über 30 Jahren ist der Innenraum des K67 noch intakt. Die Batterie von BMW-Instrumenten funktioniert tadellos. Nicht mal der Instrumententräger ist eingerissen.
Aber vielleicht liegt es ja auch daran, dass der K67 nur selten UV-haltiges Tageslicht zu Gesicht bekam.
Verblüffend, wie sich Bayer schon damals mit der Unfallsicherheit beschäftigte.
So genannte Crashpads aus Integralschäumen am Instrumententräger sollten bei einem Unfall Aufprallenergie der Insassen absorbieren: Funktion ähnlich den Knieschützern beim Fußball. Noch ist viel zu tun, bis der K67 als Ausstellungsstück glänzen kann.
Bayers Ziel: Der K67 verlässt nicht eher die Werkstatt, bis er wieder zu 100 Prozent einsatzfähig ist. Schließlich soll er richtig um die Kurven gedroschen werden. Ganz so wie früher. Denn irgendwoher müssen die 70.436 Kilometer auf der Uhr ja gekommen sein.
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